Taten statt Worte – Employer Branding im Mittelstand.


Kein großes Unternehmen, das heute nicht an seiner Arbeitgebermarke bastelt. Und dabei meist von Social Media und dem Fanklub auf Facebook spricht. Ausgewählte Mitarbeiter erzählen da den heiß begehrten Fachkräften, wie toll es sich bei XYZ arbeiten lässt.

„Ich trinke Jägermeister, weil …“, vor 25 Jahren war das mal ein wirklich kreativer Dauerknüller rund um den Kräuterlikör. Ob das inszenierte „Ich arbeite bei XYZ, weil …“ ernsthaft Interesse für einen Job bei XYZ auslöst, darf mit Fug und Recht hinterfragt werden.

Oder würden Sie so etwas glauben, wenn Sie selbst auf Jobsuche wären?

Teure Berater

Was von teuren Beraterriegen kostspielig in Szene gesetzt wird, ist für den Mittelstand – der über 80 Prozent aller Arbeitsplätze schafft – finanziell meist nicht zu stemmen. Es macht auch selten Sinn. Wer das Gros seiner Mitarbeiter im engen Umfeld von 50 km rund um den eigenen Standort sucht, muss andere Inhalte setzen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.  Wer kein hippes Premium-Produkt produziert – sondern vielleicht als ‚graue Maus‘ nur die entscheidenden Bauteile dazu – muss eine andere Wertelandschaft entwickeln, leben und kommunizieren.

Was zählt, sind solide, greifbare und nachvollziehbare Werte

Mit flexiblen Arbeitszeiten, die auch Zeit für die Familie lassen oder einem  Betriebskindergarten lässt sich erfolgreich gegen die glamourösen „Bei-uns-ist-alles-machbar-Versprechen“ der Großunternehmen punkten.

Ein gutes Beispiel für nachhaltiges Arbeitgebermarketing liefert der Siegerländer Maschinenbauer Heinrich Georg GmbH. In Kooperation mit dem städtischen Kindergarten stellt das Kreuztaler Unternehmen seinen Mitarbeitern ab kommendem Jahr Belegplätze zur Verfügung. Gestartet wird mit fünf U3-Plätzen für Kinder unter drei, bestens ausgestattet und professionell betreut. Das Unternehmen wendet dafür einen sechsstelligen Betrag auf.

Darüber hinaus richtet Georg gerade in dem geplanten Neubau der Firmenzentrale und des Schulungszentrums ein Familienzimmer mit Spielecke ein. Falls es einmal zuhause zu Problemen bei der Kinderbetreuung kommt, können die Mitarbeiter ihr Kind mitbringen, dort beaufsichtigen und zugleich in dem Zimmer arbeiten.

Projekt mit Strahlkraft

Ein Angebot, das im Betrieb begeistert aufgenommen wurde, eine Chance auch für Alleinerziehende, die bei Georg Kind und Job in Einklang bringen können. In jedem Fall ein Projekt mit Strahlkraft nach innen und außen. Thomas Kleb, Leiter Personal, Marketing und Kommunikation bei der Heinrich Georg GmbH:

Thomas Kleb, Leiter Personal, Marketing & Kommunikation
Director Human Resources, Marketing & Communications

„Die Kooperation mit der städtischen KiTa mussten wir gar nicht so groß kommunizieren, das war fast ein Selbstläufer. Die Zustimmung intern wie extern war riesengroß.  Wir erhalten jetzt schon qualifizierte Initiativ-Bewerbungen und werden in Bewerbungsgesprächen darauf angesprochen. Viele Bewerber haben uns direkt gesagt, dass unser Betriebskindergarten für sie ein wichtiger Baustein für ihre Bewerbung war.“

Klar, nicht jeder Mittelständler kann einen Betriebskindergarten einrichten. Doch jeder Mittelständler kann – so Klebs Empfehlung „ein Thema ernsthaft besetzen und dann auch authentisch kommunizieren“.

Diese Themen und Inhalte, die das Profil als attraktive Arbeitgebermarke formen und Mitarbeiterzufriedenheit begründen, können nur aus dem Unternehmen selbst kommen. Es lohnt sich, den Blick nach innen zu richten und die Potenziale zu identifizieren, die in jedem Unternehmen schlummern.

Bodenhaftung behalten

Mittelständler, die mit dem geerdet bleiben, was die Menschen interessiert, die sie als Mitarbeiter gewinnen und halten wollen, haben damit die Chance, den Begriff ‚Employer Branding‘ mit echtem Inhalt glaubwürdig zu besetzen. Und darauf kommt es an.

Nicht Klimbim zählt am Ende des Tages, sondern Substanz.

Linkempfehlung:

Heinrich Georg GmbH

Wirtschaftsreport 09/12 – Beruf und Familie erfolgreich managen

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Über Hans Ulrich Würth

Copywriter und Marketingmensch mit langem Berufsleben und reichlich Erfahrung. Gefühlt und (fast) real habe ich in über 40 Jahren für 'tausendundeine' Branche gedacht und getextet. Schwerpunkt seit vielen Jahren sind das Employer Branding & Direct Response. Berufliche Mitgliedschaften im Texterverband e.V. sowie im DFJV Deutscher Fachjournalisten Verband

Eine Antwort zu “Taten statt Worte – Employer Branding im Mittelstand.”

  1. Ein schöner Beitrag, da ich mich auch – privat wie auch beruflich – mit dem Thema Employer Branding im Mittelstand beschäftige. Meiner Meinung nach sind die Beispiele von oben lediglich ein Baustein. Es nicht reicht, „lediglich“ ein tolles Thema mit großer Strahlfraft zu besetzen.

    Meiner Erfahrung nach, müssen die Werte für die ein Unternehmen steht nicht nur gelebt werden, sondern auch erlebbar gemacht werden für (potenzielle) Bewerber. Es müssen also auch mal Prozese auf eine Markenkonsistenz überprüft werden – beispielsweise nach dem Candidate Experience Modell.

    Wenn Sie mehr Interesse am Thema Candidate Experience haben, empfehle ich folgenden Artikel: http://nocheinpersonalmarketingblog.blogspot.de/2012/09/candidate-experience-1-die-theorie.html

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