Ohne Blabla bringt Ihre Karrierewebsite mehr.


Alle reden von Social Media. Und wie Social Media im Personalmarketing künftig ablaufen wird, darüber äußert sich Henner Knabenreich von Knabenreich Consult, Wiesbaden, anhand der Studie Social Media Personalmarketing 2011 auf seinem Blog personalmarketing2null. Doch unabhängig davon – als Recruitinginstrument wird die Karrierewebsite auch in Zukunft unverzichtbar sein. Für Bewerber ist sie die erste und damit entscheidende Anlaufstelle, um sich über das Unternehmen als Arbeitgeber zu informieren.

Der Hauptmangel von Karrierewebsites: Die meisten sind von ‚Beliebigkeit‘ und ‚Austauschbarkeit‘ geprägt und alles andere als ‚maßgeschneidert‘, so Arne Gehlhaar,  Interactive Director bei der Agentur Personalwerk GmbH in Wiesbaden.  Doch was zeichnet die erfolgreiche Website aus? Profunde wissenschaftliche Erkenntnisse dazu jedenfalls gibt es:

So untersucht die Studie ‚Human Resources im Internet 2010‘ von Prof. Wolfgang Weber von der Hochschule RheinMain Wiesbaden die Karrierewebsites von rund 160 bekannten deutschen Unternehmen auf Zugang, Information, Design, Navigation, Usability und Interaktivität. Auf die Sprache – letztlich das konstitutive Element, wenn Arbeitgebermarken entstehen sollen – konzentriert sich Prof. Dr. Markus Hundt, Lehrstuhlinhaber für Deutsche Sprachwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Prof. Hundt und sein Team entwickelten die KIMATEK-Studie, das Kieler Modell zur Analyse von Texten auf Karrierewebsites. Untersucht wurden die Karrieresites bekannter Unternehmen von BASF bis Volkswagen nach Kriterien wie Authentizität, Zielgruppenorientierung, Grammatik und Stil. Daran anknüpfend entstand die Pilotstudie „Personalrekrutierung durch Sprache‘. Die von der Promerit AG und der Personalkommunikation Schelenz GmbH herausgegebene Pilotstudie ermöglicht mit einem differenzierten Kriterienkatalog eine qualitative Analyse der Texte auf Karrierewebsites.

Recht amüsant zu lesen sind die konkreten Fallbeispiele guter und schlechter Texte  – nebst Kommentar dazu – unter Spiegel-Online.

Ein Beispiel für den erfolgreichen Relaunch einer Karrierewebsite ist die Site des Versandhauses Otto.  Zwischen Januar  und August 2011 schauten sich rund
220.000 Besucher Mitarbeiterstorys und Stellenangebote an. Dazu Michael Palmen, Gründer und Personalvorstand der Hamburger Firma milch & zucker, die sich auf Personalmarketing und E-Recruiting spezialisiert hat:  „Unbedingt echte Mitarbeiter als Botschafter einsetzten“ – und authentische Texte. Der Auszubildende sollte selbst seinen Erfahrungsbericht schreiben und die PR-Abteilung sollte sich raus halten.

Ehrliche Aussagen machen Glaubwürdigkeit – und nicht solche, die penetrant positiv auftreten. Bei dem Verknüpfungen mit sozialen Netzwerken, Blogs, Animationen, Videos ist weniger mehr. „Wichtiger als die gesamte Klaviatur zu bespielen, ist der Nutzen des Tools für den Bewerber“, sagt Agentur-Berater Palmen. Überfrachtete Bewerberseiten vergraulten die Kandidaten nur. Übrigens:  milch & zucker hat 2010  ein neues Personalmarketingkonzept für die BMW Group entwickelt und die dazu gehörende Karrierewebsite ist nun in der Studie „Personalrekrutierung durch Sprache“ auf dem ersten Platz gelandet.

Was können Sie bei Ihrer Karriere-Website in Sachen Text besser machen?

  • Schreiben Sie authentisch, anschaulich, lebendig. Möglichst in der Sprache der Zielgruppe – ohne sich anzubiedern. Das ‚Du‘ – gern bei Azubi-Anzeigen gewählt, ist längst überholt, selbst Lehrer siezen die Schüler ihrer Abschlussklassen. Verzichten Sie auf Blabla und Floskeln. Und auf sattsam bekannte Gemeinplätze wie flexibel, belastbar, kunden- und serviceorientiert, verantwortungsbewusst, sozial-kompetent usw. usw.  – ‚die‘ bringen ohnehin nichts. Oder würden Sie als Bewerber zugeben, dass Sie bei der einen oder anderen dieser gern gewünschten Eigenschaften vielleicht doch nicht erste Wahl wären?
  • Bleiben Sie verständlich und glaubwürdig. Argumentieren Sie nicht aus der Position „Wir von Gottes Gnaden“, nehmen Sie die Sichtweise Ihrer Zielgruppe ein. Vermeiden Sie Worthülsen, Leerformeln und jene pseudooffiziöse Behördensprache, die sprachwissenschaftlich an vielen Passivkonstruktionen und nominalisierten Verben erkennbar ist.
  • Verzichten Sie – wo immer es geht, es geht natürlich nicht immer – auf Fremdworte. Monologisieren Sie nicht, sondern laden Sie ein zum zumindest gedanklichen Dialog. Bleiben Sie klar und wahr in Ihrem Text. Besser kurze Sätze als Bandwurmsätze. Behaupten Sie nicht nur, beweisen Sie, was Sie behaupten. Verzichten Sie auf plumpes Eigenlob und auf Plattheiten. Sätze wie ‚unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Kapital‘ sind für die Facebook-Generation – und nicht nur für ‚die‘ – ein Rückgriff in die Mottenkiste.

Ein Text ist gut, wenn er nicht mehr gekürzt werden kann. Das sollte der Maßstab für die Textlänge sein. Und auch: Sie müssen als Personaler nicht jeden Text selber schreiben – so zwischendurch im Tagesgeschäft. Es gibt genügend gute Texter, die diesen Job professionell für Sie übernehmen.

Social Plugins können Daten übertragen. Bevor Sie eines der folgenden Social Plugins verwenden, lesen Sie bitte die Hinweise unter ‚Impressum/Disclaimer‘.

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Über Hans Ulrich Würth

Copywriter und Marketingmensch mit langem Berufsleben und reichlich Erfahrung. Gefühlt und (fast) real habe ich in über 40 Jahren für 'tausendundeine' Branche gedacht und getextet. Schwerpunkt seit vielen Jahren sind das Employer Branding & Direct Response. Berufliche Mitgliedschaften im Texterverband e.V. sowie im DFJV Deutscher Fachjournalisten Verband

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  1. buckmannliest: Ein paar sonntägliche Gedanken zu Ritualen, Social Recruiting, Stelleninseraten und dem Gedeihen unserer Kinder. | buckmannbloggt. - 13/01/2013

    […] Ich hätte übrigens gerne auf den Artikel in alpha.ch verlinkt – leider ist er aber in der online-Version von alpha.ch noch nicht verfügbar… So viel zum Thema Vernetzung von Print und online. Wenigstens habe ich für Sie hier ein jpg. daraus gescannt. Aber auch andere befassen sich mit der Sprache in Kontext von Jobanzeigen und Karriere-Webseiten. So zum Beispiel Professor Markus Hundt von der Universität Kiel. Lesen Sie dazu am Besten hier den Artikel vom Spiegel oder diesen Blogbeitrag oder auch hier. […]

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